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Tagung - Abstracts

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Abstracts und Folien

 

Rahel C. Ackermann (Inventar der Fundmünzen der Schweiz, Bern)

Frühneuzeitliche Münzmandate

Offizielle Erlasse zum Geldwesen werden unter dem Begriff der Münzmandate zusammengefasst. Die zahlreichen Bewertungen, Tarife, Verbote, Auflagen beim Bezahlen mit kleinen Scheidemünzen oder beim Transport von Münzen, Warnungen vor Falschgeld und vieles mehr zeigen, wie wichtig die Kontrolle des Münzgeldes in der frühen Neuzeit war. Die Entwicklung der Drucktechnik ermöglichte deren Publikation und Verbreitung in Form von Einblattdrucken oder Broschüren. In etlichen sind zudem die Münzen nicht nur genannt und beschrieben, sondern auch im Bild wiedergegeben. Kommentare zu neuen, noch unbekannten Münzen, zeitgenössische Übernahmen, Abbildungen undatierter Münzen u. v. m. machen die Münzmandate zu einer äußerst wichtigen Quelle für die Wirtschafts- und Geldgeschichte.

Doch wie müssen die Münzmandate erschlossen sein, damit sie der Forschung zur Verfügung stehen? Die heutigen Digitalisierungstechniken und Kooperationen zwischen den Archiven eröffnen Möglichkeiten, die auch auf diese Quellengattung anwendbar sind – ein überfälliger Schritt!

Rahel C. Ackermann, Studium der Ur- und Frühgeschichte, Klassischen Archäologie und Alter Geschichte an der Universität Basel. Seit 1996 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Inventar der Fundmünzen der Schweiz (IFS) der SAGW, seit 1999 Leiterin des IFS.

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Laura Alidori Battaglia (Université de Genève)

The Illuminated Charters of the Visconti and Sforza: Commissions, Artists and Workshops

The study of the decoration of more than sixty Visconti and Sforza charters identified by the “Illuminated Charters as Gesamtkunstwerk” project offers us a unique opportunity to investigate a number of open questions in Lombard illumination with precise chronological references and identified patrons.

This research brought up a number of new results that will be discussed in the contribution. First, it appears that individual artists acquired at times a near monopoly for charter decoration, thus establishing some clear patterns of patron – artist relations that will be analysed. Then, the availability of precisely dated works clarifies the chronology of some well-known artists and the persistence of their stylistic influence. The artist – workshop relation played an important role in the dissemination of stylistic patterns that were systematically adopted in charter decoration. Finally, a number of the identified charters appear to be illuminated by artists known to be active in the city of the receiver of the charter. This likely indicates that sometimes it was the receiver and not the issuer of the charter who took care of its decoration, in a similar way to what is already known for the case of charters of indulgencies issued in Avignon. These results give us a fresh view on the world of document and book decoration in Milan from the Gothic period to the early Renaissance.

Laura Alidori studied at the Università degli Studi di Firenze, Facoltà di Lettere e Filosofia. Doctoral studies: Diploma di Specializzazione in Storia dell’Arte indirizzo Arti Minori, 2001. Work experience: 2000-2003 – Scientific Staff at Biblioteca Medicea Laurenziana; 2002-2004 – Post-doc position at the University of Firenze, Dipartimento di Studi sul Medioevo e il Rinascimento, cattedra di Storia della Miniatura; 2005-2006 – Visiting Scholar, Department of Italian Studies, University of California at Berkeley; 2009-2012 – Research Associate, Division of Humanities and Fellow at Cowell College, University of California at Santa Cruz; 2010-2013 – Scientific collaborator for manuscripts in the project “Constructing Lombard Identity”, Université de Lausanne, Ècole Politechnique Fédérale de Lausanne, Université de Geneve, Universität Zürich, funded by the Swiss National Science Foundation (FNS).

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Hendrik Baumbach (Universität Marburg)

Die Bildarchäologie als Methode zur Erfassung, Analyse und zum Vergleich
illuminierter Urkunden

Der Illumination als Gestaltungsmittel mittelalterlicher Urkunden in ihrer Heterogenität (Niveaus 1-3) analytisch zu begegnen, erfordert einen allgemeinen methodischen Ansatz. Die nachfolgend vorgestellte Bildarchäologie wird dieser Herausforderung gerecht. Ziel dieses Zugriffes ist die Anwendung eines stets gleichen Analyseverfahrens, das textliche – nicht bildhafte – Daten generiert und somit Grundlage für einen Vergleich illuminierter Urkunden bietet. Dazu sind die Stücke auf ihre optischen Elemente zu reduzieren. Die Bildarchäologie geht nun in einem Dreischritt vor: Kennzeichnung, Identifizierung und Beschreibung des Bildes.

1. Sämtliche illuminierten Bestandteile der zu studierenden Urkunde werden in einem Analyseabbild gekennzeichnet. Dabei werden Platzierung und Proportionen erhalten. Die Anzahl der Kennzeichnungen entspricht der Menge der illuminierten Bestandteile. Welche Elemente als Illuminationen betrachtet werden, muss eine Definition vorgeben.

2. Informationen über Anordnung, Größe und Menge von illuminierten Urkundenbestandteilen reichen zur Analyse dieses Gestaltungsmittel nicht aus, weil zu spezifizieren ist, was im Diplom dekoriert wurde. Zur Konkretisierung hilft ein Katalog von Sachbegriffen, aus dem für die im ersten Schritt ermittelten Bestandteile eine Identifizierungsentscheidung zu treffen ist. Das Wortfeld, das zu Beginn am besten unabgeschlossen konzipiert ist, bedient sich dem etablierten Vokabular der Diplomatik – auf diese Weise können illuminierte Urkundenteile als Initialen, Zierschrift, Wappen etc. deklariert werden. Unterkategorien sind zu entwickeln.

3. Besonderheiten, wie die Art der Verzierung, Farbgebung, Anmerkungen zu paralleler Verwendung in anderen Urkunden werden für jeden illuminierten Bestandteil separat nacheinander beschrieben. Etablierte deskriptive Verfahren (z. B. das Blasonieren aus der Heraldik für Wappen) können genutzt und integriert werden.

Worin liegt der Wert der Bildarchäologie? Sie schafft zu einem beliebig großen Korpus von Urkunden einen systematisch angelegten Apparat von Metadaten, der bis zu einem gewissen Grad den Abdruck eines Bildes ersetzen kann. Das gilt insbesondere für die Edition illuminierter Urkunden, die sich nicht mit der bloßen Bildreproduktion und Textkritik begnügen darf. Zugleich liefert die Bildarchäologie teils quantifizierbare, vor allem aber elektronisch durchsuchbare Vergleichsdaten.

Hendrik Baumbach, Studium der Fächer Mathematik, Geschichte und Pädagogik, seit 2011 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Mittelalterliche Geschichte der Universität Marburg. Koordinator des Lichtbildarchivs älterer Originalurkunden. 2015 Promotion mit der Arbeit „Königliche Gerichtsbarkeit und Landfriedenssorge im deutschen Spätmittelalter. Eine Geschichte der Verfahren und Delegationsformen zur Konfliktbehandlung“.

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Jessica Berenbeim (Magdalen College, Oxford)

Art in the Archives: Decoration and Documents at The National Archives
of the United Kingdom

The UK’s National Archives (TNA) includes among its holdings some remarkable illuminated charters, as well as other documents that have received exceptional decorative elaboration. Furthermore, because TNA preserves the records of central government, this is also the place to investigate how many of these artistic documents were made. The paper presents discoveries from the ‘Art in the Archives’ project, in which I identify, research, and catalogue a core selection of documents, often hidden in unexpected places. The purpose is not only to discover and understand individual records, but also to understand visual and material patterns over the archive as a whole. What kinds of records receive decorative attention, and how does decoration relate to the life-cycle of the document, from creation to deposit? How is it situated in a network of other records—often less visually arresting, but which offer clues to its interpretation?

I envision this research as a contribution to the histories of art, diplomatics, and administration in the British Isles, particularly as a contribution to the comparative framework of the Illuminierte Urkunden project. My approach is in keeping with recent transformations in the history of record-keeping from the study of archives as transparent repositories of documents – themselves transparent repositories for the information they contain – to the study of both archival and documentary practices as artifacts in their own right. This paper seeks to balance and relate the two sides of the equation: close visual analysis of individual illuminated charters, and structural analysis of the systems through which they are incorporated into the machinery of medieval administrative government.

Jessica Berenbaim: Education: B.A., Harvard; M.Phil., Cambridge; Ph.D., Harvard. Current post: Fellow by Examination at Magdalen College, Oxford; principal researcher at The National Archives for ‘Art in the Archives’ project.

 

Marina Bernasconi-Reusser (Université de Fribourg)

Urkunden der Kanzlei der Visconti und Sforza in den Archiven des Kantons Tessin

Das Gebiet, das dem heutigen Kanton Tessin entspricht und sich entlang der Strasse zum Sankt Gotthard befindet, bildete – mit kurzen Unterbrechungen – von der Mitte des 14. bis ans Ende des 15. Jahrhunderts den nördlichen und peripheren Teil des Herzogtums Mailand, dessen wechselhafte Geschichte es vollumfänglich teilte. Diese politische und administrative Unterwerfung spiegelt sich in der intensiven Tätigkeit der Kanzlei in Form des Austauschs von Briefen, Sendschreiben und Urkunden mit politischem und administrativem Charakter zwischen den Mailänder Behörden und deren Repräsentanten in diesem Gebiet. Ein großer Teil dieser urkundlichen Tätigkeit kann dank der „Registri ducali“ rekonstruiert werden, während die Originaldokumente, die wegen ihres fragileren Charakters eher der Zerstörung ausgesetzt waren, in wesentlich geringerem Umfang erhalten sind. Man kennt heute etwa siebzig solche Urkunden, die über verschiedene Archive des Kantons zerstreut sind und von denen etwa zehn eine Dekoration aufweisen.

Ziel des Beitrags ist es, diese illuminierten Urkunden vorzustellen, ihre Dekoration zu analysieren und eine Einordnung in den Kontext der gleichzeitigen Buchproduktion vorzunehmen. Es soll aber auch versucht werden, die Untersuchung durch einen Vergleich mit unverzierten Urkunden auf inhaltliche und kodikologische Aspekte dieser Produktion zu erweitern. Hatte die Absicht, eine Urkunde mit einer Dekoration zu versehen, Auswirkung auf die Wahl des Materials – Pergament oder Papier – und auf die Charakteristika des Layouts? Auf welche Art und Weise kann der juristische Inhalt der Urkunden oder können deren Empfänger – Privatpersonen beziehungsweise politische Gemeinschaften – die Wahl der Dekoration beeinflusst haben? Steigert das Vorhandensein einer Dekoration den symbolischen oder juristischen Wert des Dokuments? Finden sich in den "Registri ducali" der herzöglichen Kanzlei Hinweise oder Reflexe darauf, ob das Dokument verziert werden sollte?

Marina Bernasconi-Reusser, Studium der Kunstgeschichte mit einem Abschluss in Fach Geschichte der Buchillumination und der Kleinkunst an der Universität Florenz (1983); Diplom an der Scuola di Archivistica e Diplomatica dell’Archivio segreto des Vatikans (1985); Promotion in italienischer Literaturwissenschaft an der Universität Freiburg, Schweiz (1989). Derzeit Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Projekt e-codices und Redaktorin an der Publikationsreihe von Tessiner Urkunden („Materiali e documenti ticinesi“), die vom Staatsarchiv in Bellinzona herausgegeben werden.

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Vincent Christlein und Simon Hofmann (Universität Erlangen-Nürnberg)

Automatische Erkennung von illuminierten Urkunden

Mit dem Beginn des digitalen Zeitalters haben sich auch für die Archivarbeit viele neue Möglichkeiten ergeben. Neben dem vereinfachten Zugriff auf Daten ergibt sich durch die Digitalisierung von Archivmaterial die Möglichkeit, durch digitale Verarbeitungstechniken historische Dokumente automatisch aufzubereiten, zu kategorisieren, zu annotieren und zu analysieren.

Während die automatische Verarbeitung von zeitgenössischen digitalen Dokumenten bereits etabliert ist (z.B. im Bereich OCR), birgt die automatische Verarbeitung von historischen Daten aufgrund ihrer Natur (handschriftlich verfasste Dokumente, Alterungserscheinungen etc.) noch große Herausforderungen.

Mit Hilfe des aus dem Bereich der medizinischen Bildverarbeitung stammenden Vesselness-Filters, der ursprünglich zur Detektion von Blutgefäßen entwickelt wurde, als neuem Vorverarbeitungsschritt, sowie SIFT-Merkmalen in Kombination mit anschließendem VLAD Encoding haben wir eine neue Verarbeitungs-Pipeline entworfen. Sie ermöglicht eine robuste Detektion von Textbereichen innerhalb von Urkunden, sowie die Erkennung von Illuminationen, die bis zu einem gewissen Grad auch charakterisiert werden können.

Vincent Christlein schloss sein Diplom an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg 2012 ab. Während seines Studiums beschäftigte er sich mit der Detektion von digitalen Bildfälschungen. Im Moment ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mustererkennung der FAU angestellt. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich Rechnersehen (Computer Vision), insbesondere in der automatischen Analyse von historischen Dokumenten.

Simon Hofmann wechselte nach Abschluss seines Bachelorstudiums an der OTH Regensburg an die Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg. Im Rahmen seines Informatik Masterstudiums beschäftigt er sich dort seit 2014 mit Themen aus den Bereichen Rechnersehen (Computer Vision) und maschinelles Lernen (Machine Learning), welche auch Bestandteil seiner Masterarbeit sind.

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Elizabeth Danbury (University College London)

Illuminated Charters: New Directions in Study and Research

Elizabeth Danbury is an honorary research fellow and a former Director of International Projects and Research at UCL:DIS. She was previously Lecturer in Palaeography and Diplomatic and director of the postgraduate archives programme in the Department of History at the University of Liverpool.

 

Lisa Dieckmann (Universität zu Köln)

Von illuminierten Urkunden bis Videokunst
Zur Erschließung und Zusammenführung von heterogenen kulturhistorischen Daten im
prometheus-Bildarchiv

Die Bereitstellung und Entwicklung einer übergreifenden Rechercheplattform für die Forschung und Lehre in den Kunst- und Kulturwissenschaften stellt eine gewisse Herausforderung dar, zunächst allein deshalb, weil die Forschungsobjekte der bildorientierten Disziplinen extrem heterogen sind und unterschiedliche Kriterien bei der Erschließung verlangen. Derzeit werden insgesamt über 1,5 Millionen digitale Repräsentationen kunst- und kulturhistorischer Objekte aus 88 Datenbanken im Bilderpool von prometheus (http://prometheus-bildarchiv.de) zusammengeführt. Das Gattungsspektrum reicht von Architektur, Performancekunst, Malerei und illuminierten Urkunden, bis hin zu Fotografie, Plastik und Videokunst. Abgesehen von der Heterogenität der Objekte sind auch die Metadaten der integrierten Datenbanken strukturell und inhaltlich unterschiedlich. Teilweise werden Metadatenstandards verwendet, zumeist eigene Datenmodelle. Die Objekte sind unterschiedlich tief erschlossen, mit Klassifikationen versehen oder mit Normdaten verknüpft.

Der Vortrag beleuchtet die unterschiedlichen Konzeptionen kunst- und kulturhistorischer Datenbanken, stellt die Herausforderungen bei der Zusammenführung heterogener Daten dar und zeigt Vorgehensweisen zur besseren Erschließung der Objekte und zur Optimierung des Retrievals und der Werkzeuge für die Arbeit mit digitalen Bildern auf.

Lisa Dieckmann, Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Historisch-Kulturwissenschaftlichen Informationsverarbeitung in Köln und Rom (M.A.); 2012 Promotion mit einer Arbeit zu Bildstrategien romantischer Traumdarstellungen; seit 2005 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln und seit 2008 zusätzlich Geschäftsführerin des prometheus-Bildarchivs; außerdem Mitarbeiterin in mehreren Forschungsprojekten (z.B. Lichtbildarchiv älterer Originalurkunden (LBA online) in Marburg), zuletzt verantwortlich für das DFG-Projekt Meta-Image – virtuelle Forschungsumgebung für den Bilddiskurs in den Kunst- und Bildwissenschaften (http://www.meta-image.de) in Kooperation mit der Leuphana-Universität Lüneburg und der Humboldt-Universität zu Berlin; Mitinitiatorin von Das digitale Historische Archiv Köln (http://www.historischesarchivkoeln.de); außerdem Mitglied des Cologne Center for eHumanities und Sprecherin Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte.

 

Étienne Doublier (Landesarchiv NRW Abt. Westfalen)

Illuminierte Ablassbriefe im spätmittelalterlichen Westfalen (ca. 1300–ca. 1500)

Auf den Ablass als eines der bedeutsamsten Phänomene der spätmittelalterlichen Kirche und Gesellschaft scheint die Forschung in den letzten Jahren mit zunehmendem Interesse und neuen methodischen Ansätzen eingegangen zu sein, indem die Ablasspraxis jenseits der konfessionellen Auseinandersetzungen wieder zu einem selbständigen Forschungsgegenstand erhoben wurde. Unter anderem haben sich die Bemühungen verstärkt, die bisher ziemlich vernachlässigte diplomatische Gattung der illuminierten Sammelindulgenzen in ihrer ambivalenten Funktion als Rechtsdokumente und Kunstwerke intensiver zu erforschen.

Der Vortrag leistet eien Beitrag zur statistischen Erfassung dieses besonderen Urkundentypus in den vier westfälischen Bistümern des spätmittelalterlichen Reichs. Gegenstand der Untersuchung ist die archivalische Überlieferung von illuminierten Sammelindulgenzen in den Diözesen Münster, Osnabrück, Paderborn und Minden. Dabei soll vor allem nach der Entstehung, den wichtigsten Überlieferungsträgern, den externen Einflüssen, den typischen Merkmalen und den eventuellen Auswirkungen dieser Praxis gefragt werden: Wann tauchten illuminierte Ablassbriefe in Westfalen auf? Welche Rolle spielten sie im Rahmen der allgemeinen Ablasspraxis dieser Landschaft? Lassen sich Institutionen fassen, die einen besonderen Beitrag zur Etablierung der illuminierten Sammelindulgenzen leisteten? Gibt es umgekehrt Einrichtungen, die den „traditionellen“ Einzelablassbriefen den Vorzug gaben? Konnten sich in der Region eigenständige Charakteristika im Hinblick auf äußere Gestaltung, ikonographische Themen und Ablassbedingungen durchsetzen oder dominierten vielmehr Einflüsse aus dem benachbarten Erzbistum Köln?

Nach dem deskriptiven bzw. analytischen Teil wird man sich abschließend mit der Frage auseinandersetzen, wie künftige Editionsprojekte mithilfe digitaler Technologien nicht nur den Text, sondern sämtliche Aspekte, vor allem die Materialität und die dekorativen Komponenten eines illuminierten Ablassbriefes angemessen würdigen könnten.

Étienne Doublier, 1985 in Pescara (I) geboren. 2004–2010 Geschichtsstudium an den Universitäten Chieti und Bamberg. 2011 Assistent im Domstiftsarchiv Merseburg. 2012–2015 Promotionsstudium an den Universitäten Wuppertal und Mailand. Seit dem SS 2015 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Wuppertal. Seit Januar 2016 Mitarbeiter im Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen.
Forschungsschwerpunkte: Ablass, Papsttum, Bettelorden, Italien, Historische Hilfswissenschaften.

 

Eter Edisherashvili (Tbilisi State Academy of Arts)

Political and Artistic Trends in Early Modern Georgian Illuminated Deeds

The location on crossroads and complicated political circumstances determined Georgia’s uniqueness throughout the centuries as a meeting point for various cultures and religions. The early Modern era was especially diverse and contradictory for the country. Separated into several kingdoms and principalities Georgia was fighting against the expansion of Persia and the Ottoman Empire. At the same time, there was a keen interest in political and religious links with Europe as well as curiosity for the developments of Western art. Complicated multicultural processes were reflected in all fields of Georgian art of the time, the illumination of historical deeds however is subject to special interest as decorated documents provide unique possibilities for analyzing artistic trends within certain political and social contexts.

Most of the preserved Georgian charters dates back to the fifteenth through the nineteenth century and were issued by the Georgian kings and noblemen. Their illumination reflects contemporary historical events and political trends as well as psychological portraits of the issuers and their attitudes towards the recipients and social hierarchy. The study of Georgian illuminated deeds shows the artistic choices and tastes of the Georgian elite of different periods. At the same time the comparative analysis of the material enables us to represent the regional peculiarities of Georgian art in general.

Eter Edisherashvili: Research Fellow, K. Kekelidze National Center of Manuscripts; PhD Student, Concentration "Medieval Art History", Tbilisi State Academy of Arts. "Intercultural Dialogue in Georgia in the 16–19th Centuries (Illuminated Royal Deeds)", Educational grant for Doctoral students, Shota Rustaveli National Science Foundation, (2013–2014); "Illumination of Georgian Liturgical Scrolls", Shota Rustaveli National Science Foundation, "Presidential Grants for Young Scientists" (2012).
Field of research: Illumination of Georgian deeds and manuscripts (Medieval and Early Modern Era); Multiple intersections in Georgian medieval and early modern art and their study in broad cultural, historical, religious and secular contexts.

 

Irmgard Fees (Ludwig-Maximilians-Universität München)

Entstehung, Gestalt und Inhalt der Notarszeichen in Italien

Nach einem Überblick über die Forschung zu Notarssigneten und den Versuchen zu ihrer Deutung resümiert der Beitrag Costamagnas Erkenntnisse zur  Entstehung und zum Inhalt der Zeichen im frühen Mittelalter, also lange vor dem Aufkommen des Notariatsinstruments, dessen integraler Bestandteil sie sind. Auf der Basis der frühmittelalterlichen Zeichen, in denen die Notare und Schreiber tironische Noten, tachygraphische Zeichen und Kreuzformen miteinander kombinierten und so Symbole mit vieldeutiger Aussage schufen, entwickelten sich über die Jahrhunderte neue Formen, die jedoch die Erinnerung an den Ursprung noch lange wahrten. Mit der Aufnahme der Zeichen in die neue Urkundenform des Notariatsinstruments kam den Signeten eine veränderte rechtliche Funktion zu; jetzt entstanden auch neue, graphisch vom Ursprungszeichen unabhängige und in der Gestalt äußerst vielfältige Formen.

Irmgard Fees, Studium der Fächer Geschichte, Anglistik und Pädagogik in Marburg und Hull (UK) mit Abschluss des Ersten Staatsexamens. Nach Forschungsaufenthalten in Venedig 1986 Promotion bei Helmut Beumann über ein Thema zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Venedigs. 1990-1992 Mitarbeiterin von Peter Rück in Marburg mit dem Projekt „Format und Layout fränkisch-deutscher Königs- und Kaiserurkunden bis 1250“; 1992–2008 Mitarbeiterin der Regesta Imperii, Projekt: Regesten Karls des Kahlen. 1994 Habilitation an der Universität Marburg mit einer Arbeit zu den Schreibkenntnissen in Venedig vom 10. bis 13. Jahrhundert. Seit April 2008 Inhaberin der Professur für Historische Grundwissenschaften und Historische Medienkunde an der LMU München.

 

Olivier Guyotjeannin (École nationale des chartes Paris)

Le diplomatiste et les documents enluminés

Les archivistes et les diplomatistes ont longtemps peiné à intégrer pleinement dans leurs discours les chartes et documents de gestion enluminés, qu'ils ont souvent relégués à l'état de curiosité, ou de documentation complémentaire et ponctuelle de l'histoire de la peinture des manuscrits ou des ateliers de peintres. Le regain d'attention tout récent pour le sujet n'en est que plus frappant. Il ne tient pas seulement à l'intérêt nouveau porté au fonctionnement et à la lecture de l'image, mais aussi à l'appropriation de ces objets par une diplomatique désormais sensible aux diverses facettes de la conception, de la médiation et des usages de l'écrit.

Olivier Guyotjeannin a été élève de l'École nationale des chartes (promotion 1981), membre de l'École française de Rome (1983-1986). Il a exercé diverses fonctions dans les Archives: volontaire à l’aide technique chargé des Archives départementales de Saint-Pierre-et-Miquelon (1981-1982), Conservateur aux Archives nationales, affecté à la Section des missions (1982-1983, cellule technique), puis au Secrétariat général (1986-1988, collaboration à la préparation de l'ouverture du CARAN). Il a été nommé professeur à l'École des chartes en 1988. (Quelle: https://fr.wikipedia.org/wiki/Olivier_Guyotjeannin)

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Laurent Hablot (École pratique des Hautes Ètudes in Paris)

Some Comparison between Heraldry in Illuminated Charters and Decorated Manuscripts: Forms and Functions

Illuminated charters and prestigious manuscripts have received finest heraldic decorations in the late Middle Ages. What are the differences and similarities between the heraldic decoration of charters and those of illuminated manuscripts? Do they adopt the same form and perform the same functions? What are the specifics of the heraldic decoration of charters and how do they fit in the symbolic representation of power?

Laurent Hablot promovierte 2001 an der Université de Poitiers (« La devise, mise en signe du prince, mise en scène du pouvoir. Les devises et l’emblématique des princes en France et en Europe à la fin du Moyen Age. »). Er war seit 2007 Maître de conférences en histoire médiévale à l’Université de Poitiers. Im Dezember 2015 wurde er an der Ècole pratique des Hautes Ètudes in Paris habilitiert und bekleidet seit Mai 2016 ebendort die Professur für „Emblématique occidentale“. Forschungsschwerpunkte: Les signes d’identité, leurs usages et leur perception dans la société médiévale et la première Renaissance. Analyse des différents systèmes emblématiques de représentation: armoiries, cimiers, supports, devises, vexillologie et signes de reconnaissance militaire, insignes de fonction et de pouvoir. Questions des formes (dessin, composition, symbolique, mise en scène) et des fonctions (choix, transmission, droit, partage, contrôle).

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Péter Kóta (Ungarisches Nationalarchiv, Budapest)

Möglichkeiten und Grenzen gedruckter und digitalisierter Urkundenpublikationen auf dem Feld der Forschung graphischer Elemente

Die Hersteller gedruckter Quellenpublikationen soll(t)en die auf den Originalen auffindbaren, nicht gewöhnlichen Merkmale notieren. Im Fall von Namen, Fachausdrücken usw. sind die Besonderheiten der Schreibweise zu vermerken. Dieser Pflicht der Editoren wird aber nicht immer konsequent nachgekommen. Besonders in den Fällen größerer, mehrautoriger, Jahrzehnte lang vorbereiteter Editionen ist das Niveau der Bearbeitung oft ungleich. Die Besonderheiten der verbalen Beschreibung sind, entsprechend der Sorgfalt ihrer Vorbereitung, verschieden und erfüllen kaum mehr als die bloße Funktion des Anzeigens. In meinem Beitrag schaue ich die bedeutendsten ungarischen Urkundenpublikationen durch, um ihre Zuverlässigkeit in dieser Hinsicht beurteilen zu können. Diese sind Urkundenbücher der Arpaden-, Anjou- und Sigismund-Zeit. Meine Beobachtungen werden mit den Digitalisaten der Urkundendatenbank des Ungarischen Nationalarchivs verglichen. Der Hauptvorteil der letzteren ist die Möglichkeit zur umfassenden visuellen Durchschau enorm vieler digitaler Repräsentanten. Anschließend werden Konsequenzen gezogen betreffend die Anwendbarkeit, die Vor- und Nachteile beider Publikationsformen, und Vorschläge zur Systematisierung zukünftiger Arbeiten in dieser Richtung gemacht. Regelmäßiges Sammeln, Typologisierung usw. der Initialen kann in erster Linie für Paläographen nutzbar sein, das Studium der graphischen Merkmale von Urkunden aber kann sich auf verschiedenen Gebieten historischer Forschung als fruchtbar erweisen.

Peter Kóta, graduiert in Budapest 1986 als Archivar-Historiker (Schwerpunkt Mittelalter). Promoviert (Dr. Univ.) ebenda in 1996 (Diplomatik der Wappenbriefe); (PhD) an der Universität Debrecen, 2001 (Urkunden und Archiv des Eisenburger Kapitels). 1986-89, 2013-15 an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, 1990-91 an der Universität Szeged, 1998-2013 an der Katholischen Universität „Pázmány”, 1993-2002 und seit 2016 am Ungarischen Nationalarchiv.

 

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Otfried Krafft (Philipps-Universität Marburg)

Am Anfang der Verzierung: Initialen und Monogramme in päpstlichen Urkunden
des Hochmittelalters

Bei der Neuschöpfung des Papstprivilegs durch Leo IX. seit 1049 waren zahlreiche graphische Symbole eingeführt worden: Einige wurden bald obsolet, andere Elemente wie Monogramm und Rota wurden in mehrfachen Innovationsschüben fortentwickelt. Gerade unter Papst Urban II. wurde das von Leo IX. geschaffene Design erfolgreich wiederbelebt und modernisiert. Während die graphischen Symbole anfangs in der Regel ohne besonderen Zierrat ausgekommen waren, wurden sie um 1100 zunehmend damit versehen und fügten sich so organischer ins äußere Gesamtbild ein. Dabei begann sich das Monogramm im Aussehen den Auszeichnungsschriften anzunähern, gleichzeitig kamen hier wie dort gemeinsame Zierelemente auf. Durch eine Geometrisierung des Layouts näherten sich die Kopfzeile und das Eschatokoll im Aussehen zusätzlich an. Dabei gewann die Initiale des Papstnamens, die immer am Beginn der Urkunden stand, zunehmend an Bedeutung. Sie setzte sich von der Elongata der Kopfzeile ab und entsprach bald eher den Majuskeln des Monogramms, gleichzeitig gewann sie an Größe. Dies geschah schubweise, und keineswegs nur unter Papst Eugen III. (1145/53), dem man dabei bisher eine besondere Bedeutung zugewiesen hat.

Jedenfalls wurde die verzierte Initiale von einem exzeptionellen Merkmal einzelner Schreiber zu einem Markenzeichen der Papsturkunde. Im 12. Jahrhundert galt das zunächst für die Privilegien. Auch die päpstlichen Litterae cum serico übernahmen die Initiale cum floribus et spatiis als Pflichtausstattung, wobei mit dem späten 13. Jahrhundert aber eine gewisse Stagnation eintrat. Von Anfang an ähnelte der Zierrat dieser Initialen der Gestaltung solcher Buchstaben in Büchern, abgesehen nur von dem Unterschied, dass päpstliche Urkunden normalerweise noch keine Farbe verwendeten, bis dieses Prinzip im späten Mittelalter mitunter durchbrochen wurde. Im Vortrag können aufgrund der zeitlichen Abfolge bestimmte geographische Abhängigkeiten nur umrissen werden.

Da einige der in Initialen zu beobachtenden Elemente (florale Applikationen, Halbpalmetten) zuerst in den Urkunden erscheinen und wohl erst danach in den nicht immer derart eindeutig datierbaren Handschriften, liegt die Hypothese nahe, für die Gestaltung von Büchern insbesondere aus klösterliche Skriptorien an eine gewisse Vorbildfunktion der päpstlichen Privilegien zu denken. Diese Gattung war im 12. Jahrhundert mit fünfstelligen Zahlen quantitativ dominierend, ihr Aussteller genoss höchstes Prestige und die Verbreitung über die gesamte Christenheit war wie selbstverständlich gegeben. Da die Disziplinen Kunstgeschichte und Diplomatik in diesen Aspekten ohne sachliche Berechtigung bislang eher distanziert voneinander forschten, blieben die beschriebenen Phänomene bisher fast unbeachtet.

Otfried Krafft, Magister in Historischen Hilfswissenschaften, Mittlerer und Neuerer Geschichte und Rechtsgeschichte; Promotion über päpstliche Urkunden zu Heiligsprechungen bei Jürgen Petersohn; 2015 Habilitation über Landgraf Ludwig I. von Hessen (1402–1458); zahlreiche Aufsätze, u. a. zur Diplomatik illuminierter Papsturkunden, sowie eine Monographie zum Benevalete-Monogramm.

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Francesca Manzari (Sapienza – Università di Roma)

Calligraphers and Illuminators in Papal Bulls from the Great Western Schism to the Age of the Councils (1378-1447)

In the years following the return to Rome of Gregory XI, in 1377, and with the outbreak of the Great Western Schism a year later, the production of illuminations in Rome underwent a significant revival. For the first time after over sixty years workshops active in the city elaborated a distinctive new style, eclectic and based on multiple cultural elements, but specific to the context of the Curia. The illuminators working for the first popes during the Schism were also scribes and calligraphers, and sometimes musicians.

An examination of the charters produced in the Roman Curia in these years reveals that these scribes produced books as well as documents. The most remarkable of them, Stefano dell’Aquila, is the author of beautiful pen-work decoration in illuminated manuscripts and in papal bulls dating from the papacies of Urban VI, Boniface IX, Innocent VI and Gregory XII.

A further survey of charters decorated for the antipopes not of Avignon obedience during the years of the Councils (Alexander V, John XXIII, Felix V) and for the first two Popes after the end of the Schism, Martin V and Eugene IV, shows that once again artists and calligraphers decorated both books and charters and were also active in the papal musical chapel. The pen-work of the artist, scribe and singer Barthélémy Poignare concludes this rich and extraordinary Late Gothic stage, before the transition to Renaissance style.

Francesca Manzari, PhD, is Researcher in History of Medieval Art at the University of Rome “Sapienza” and Aggregate Professor of History of illumination. Her research has centred on illumination in Avignon, Lombardy, Abruzzi, Naples and Rome. She is currently working on Italian Books of Hours, Late Gothic illumination during the Great Western Schism and the rediscovery of illumination in the 18th century.

 

Anastasija Ropa (Latvian Academy of Sport Education) and Edgars Rops (University of Latvia)

The Functions of Illuminated Charters from Latvian and Lithuanian Archives
in European Context

Medieval charters preserved in Latvia are distributed across three principal collections: the Latvian Historical Archive, the Academic Library of Latvia and the Latvian Historical Museum. Due to restricted access to many of these documents, whichare not likely to undergo digitisation in the near future, they remain largely unknown to scholars outside the Baltic region. The situation of the Lithuanian archives is different: A large number of medieval documents having been digitised and made available through online catalogues. The language barriers, however, prohibit dissemination of local research on medieval charters in the Baltic archives to English-speaking countries.

In the present paper, we seek to fill the above-mentioned lacunae by presenting the charters produced and/or preserved in the territory of two Baltic countries, Latvia and Lithuania, in their European context. Our aim is to outline the functionality of the charters, their representative, performative and commemorative aspects as expressed through their decoration. We also examine European connections of the parties involved in making the charters, as well as details of the charters’ production, their decorative features and their afterlives. Analysing the development of decoration in Latvian and Lithuanian charters and comparing their artistic aspects to European material outside the Baltic region will contribute to achieving a fuller understanding of the political, social and cultural landscape in medieval Livonia and the Grand Duchy of Lithuania and their neighbours. We will, in particular, examine in detail an illuminated charter preserved in Vilnius, the Martynas Mažvydas National Library of Lithuania (LNMMB F101-41), signed on 7 June 1590 drawn in Russian, with signatures in Polish, decorated with elaborately illuminated initials. We will reflect on the mutual engagement of the parties in compiling and decorating the document and the possible rationale for their artistic decisions

Anastasija Ropa is a guest lecturer at the Latvian Academy of Sport Education. She has earned her PhD at Bangor University (UK) and her MA from the University of Latvia, studying the illuminated manuscripts of Arthurian romances. She has presented papers on the artistic and codicological characteristics of medieval documents in Latvian and foreign archives at conferences both in Latvia and abroad, including the IMC Leeds 2015.

Edgars Rops is a student at the Faculty of Law of the University of Latvia, conducting a study in the field of medieval family and marriage law. He has presented aspects of his research at international conferences, including the International Medieval Congress in Leeds in 2010 and 2016.

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Nadine Seidu (Landesarchiv Baden-Württemberg)

Umgang deutscher Archive mit dem Thema „Open Data“

Offene Daten sind in aller Munde und werden auch in Deutschland heiß diskutiert. Im Kontext von E-Government sowie der Einführung verschiedener Portale, wie dem bundesweiten GovData, regionaler Angebote, wie dem Open Data Portal Baden-Württemberg, verbunden mit der Definition entsprechender Lizenzmodelle, wie etwa der Datenlizenz Deutschland, schaffen Bund und Länder die Rahmenbedingungen für Open-Data-Angebote im Bereich der öffentlichen Verwaltung. Informationen sollen für jedermann frei nutzbar sein, weiterverwendet und geteilt werden können. Die einzige Einschränkung ist gegebenenfalls die Verpflichtung zur Nennung des Urhebers bzw. der verwahrenden Einrichtung.

Unter den deutschen Archiven ist das Landesarchiv Baden-Württemberg einer der Vorreiter bei der freien Zugänglichmachung von Erschließungsinformationen. Eine neue Dynamik in die gesamtdeutsche Archivlandschaft brachte seit 2014 das Archivportal-D, das unter der Federführung des LABW aufgebaut wurde. Für den angestrebten Datenaustausch mit der Europeana und dem Archivportal Europa war es notwendig, auf ein Lizenzmodell zu setzen, das die rechtssichere Nachnutzung der Daten ermöglicht. Da das Archivportal-D als Teilprojekt der Deutschen Digitalen Bibliothek umgesetzt wurde, orientierte man sich an den dort gängigen Creative Commons Lizenzmodellen.

Kritische Stimmen warnen vor dem Verlust der Kontrolle und der Deutungshoheit über „unsere“ Daten. Doch welche Chancen ergeben sich für Archive, die Forschung und die Gesellschaft aus „Open Data“? Wo sind in Deutschland Trends, wo Zurückhaltung zu beobachten? Und worauf muss nicht zuletzt bei der Lizenzierung geachtet werden? Der Vortrag bietet einen kurzen Überblick.

Nadine Seidu M.A. studierte Kulturwissenschaften und Publizistik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Zunächst absolvierte sie ihr Volontariat im Bereich Projektmanagement im Historischen Museum der Pfalz in Speyer und arbeitete anschließend als Koordinatorin bei Atelier Brückner, Stuttgart. Seit 2014 ist Nadine Seidu beim Landesarchiv Baden-Württemberg, Stuttgart tätig. Dort ist sie für die Steuerung des Projektes “Aufbau eines Archivportals-D” und für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Ihr Schwerpunkt liegt bei der Vermittlung von Wissen und Informationen sowie bei der Gewinnung neuer Nutzergruppen.

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Henning Steinführer (Stadtarchiv Braunschweig)

Zur Entstehung des Braunschweiger Wappenbriefes von 1438

Der Braunschweiger Wappenbrief von 1438 gehört zu den wenigen Beispielen für kommunale Wappenbriefe aus dem Norden des Reiches. Die von Albrecht II. ausgestellte Urkunde war interessanter Weise mit keinerlei Wappenbesserung verbunden. Es handelt sich vielmehr um eine Art königlicher "Kenntnisnahme" eines bereits im 14. Jahrhundert nachweisbar geführten Wappens.

Im Rahmen des Vortrags sollen die Entstehungsumstände für die Ausfertigung des Wappenbriefes, die bis in die Regierungszeit Sigismunds zurückreichen, näher beleuchtet werden.

Der städtische Wappenbrief steht dabei offensichtlich im Zusammenhang mit einem weiteren Wappenbrief, den der „Große Bürgermeister“ der Altstadt, Albrecht von Vechelde, kurz zuvor für seine Familie erwirkte. Außerdem soll der Braunschweiger Wappenbrief in den Kontext kommunaler Wappenbriefe in Norddeutschland gestellt werden.

Dr. Henning Steinführer, Archivar und Historiker, Direktor des Stadtarchivs Braunschweig, Studium Geschichte, Latein und Historische Hilfswissenschaften in Leipzig, München und Glasgow. Archivreferendariat in Thüringen und Marburg. Forschungsschwerpunkte: Stadtgeschichte und Quellenkunde.

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Alison Stones (University of Pittsburgh)

Some Illustrated French Charters (13th and 14th c.) and their Cultural Contexts

Illustrated charters are receiving more and more attention, especially at the beginning of the tradition in the late 11th and 12th centuries on the one hand, and the late 14th and 15th centuries on the other, with particular emphasis on royal charters as in the pioneering work of Ghislain Brunel and on papal charters by Martin Roland. Here I survey French charters in the middle period of the 13th and early 14th centuries and focus on some civic and abbatial charters where the work of charter-artists can be traced in other contexts: in the north charters of Amiens and Bruges, in the east the abbey of Sainte-Glossinde at Metz, and in the south the confraternity of Notre-Dame at Rabastens and the town of Marseille. The charters provide essential fixed points of date and place, which anchor the other manuscripts on which their artists worked. Furthermore the iconongraphy of the charters show a surprising degree of variation suggesting that local interests were the guiding forces in the illustrative treatment of these important documents. Of special interest here is the depiction of the people affected by the terms of the charter in the illustration, an iconongraphy notable in the civic charters while the confraternity focuses on the dedicee. This paper represents first steps in drawing together a corpus of illustrated French charters of the 13th and early 14th centuries. 

Alison Stones is Professor Emerita of the History of Art and Architecture at the University of Pittsburgh. Her most recent publication is Gothic Manuscripts 1260-1320 (A Survey of Manuscripts Illuminated in France), 4 vols. London and Turnhout 2013-2014. She is a correspondant étranger honoraire of the Société nationale des antiquaires de France, a Fellow of the Society of Antiquaries of London and of the Medieval Academy of America and a Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres.

Her web projects are http://www.lancelot-project.pitt.edu, http://www.medart.pitt.edu/, http://images.library.pitt.edu/c/chartres, http://images.library.pitt.edu/v/vezelay

 

Helena Katalin Szépe (University of South Florida)

Painting in Documents: The Case of Venice

Certain kinds of Venetian documents, which were granted to individual patricians upon assumption to some of the highest offices of state, came to have paintings highlighting portraits of the recipients, and extravagant bindings (cf. my book Privilege and Duty in Renaissance Venice. The art of the manuscript document [forthcoming, Yale University Press]). Previous studies have isolated textual and visual components of these manuscripts as useful comparative information in studies of artistic themes, in histories of manuscript painting styles, or analyses of governmental documents. My project shifts focus to ask why patricians actually chose to have themselves portrayed in ducali, finding motivation linked to the documentary and legal nature of the manuscripts, a changing patrician ethos, and collection of them in family archives. Imagery inside these documents, I argue, became critical to authenticate certain broader strategies of the patronage of architecture, painting, and sculpture in both the public and domestic spheres, whose goal was to shape and preserve individual and family patrician status. 

The study is grounded in my database of over 2000 relevant documents and fragments from collections throughout the world. The goal at this stage is to determine how to make the database most useful to scholars of various disciplines, including art history, prosopography, paleography, and the history of binding. Also, how can the database be linked best to materials catalogued online by holding institutions?

Helena Katalin Szépe, Associate Professor of Art History, University of South Florida. Ph.D., History of Art, Cornell University. Major fellowships and grants from institutions including The American Council of Learned Societies; University of Padua; Houghton Library of Harvard University; The Getty; American Philosophical Society; Gladys Krieble Delmas Foundation. Numerous articles, forthcoming book, and one in progress on the purposes of imagery in books and documents.

 

Marina Vidas (The Royal Library, Copenhagen)

Visualizing the Serenissima in Venetian Fourteenth-Century Illuminated Documents:
Text, Image and Ritual

The paper analyses the relationship between text and image in Venetian illuminated documents, primarily statutes which Venetian officials were bound to observe. The documents that I will examine were issued from the period of the dogeship of Francesco Dandolo (1329-1339) to that of Antonio Veniero (1382-1400). I will first analyze bust and full-length portraits of doges depicted with representations of emblems of the republic in promissioni ducali (the promise of the doge on his election). For example, I will discuss a miniature showing Andrea Contarini (Doge of Venice from 1367-1382) receiving a standard embellished with a symbolic representation of the Serenissima and his family arms from the winged Lion of Saint Mark. The image visualizes the divine origins of the authority invested in the doge and also recalls the inauguration ritual.

The images and texts in the promissioni ducali will be compared to those issued for other types of officials, such as councillors. For example, one of the documents I will examine portrays a full-length standing councillor supporting, together with an angel, a scroll inscribed with verses from Psalm 91: “Justus ut palma florebit et sicut cedrus multiplicabitur [...] in domo Domini” (The just shall flourish like the palm tree: he shall grow up like the cedar of Libanus in the house of the Lord). It will be suggested that the placement of the portrait alongside the text alludes not only to just governance by representatives of the Serenissima but also to heavenly guidance in the affairs of the republic. Furthermore, I will show that the equating of the republic with Justice was not confined to Trecento documents but also visualized in rituals and in buildings associated with the republic in Venice and beyond the lagoon.

Marina Vidas received her Ph.D. in 1997 from New York University. At present she is Senior Researcher at the Royal Library and Adjunct Associate Professor in the Department of Arts and Cultural Studies, University of Copenhagen. She is the author of a number of publications dealing with Medieval and Renaissance art, including “The Christina Psalter: A Study of the Images and Texts in a French Early Thirteenth-Century Illuminated Manuscript” (2006) and “Elizabeth of Bosnia, Queen of Hungary, and the Tomb-Shrine of Saint Simeon in Zadar: Power and Relics in Fourteenth-Century Dalmatia,” Studies in Iconography, 29 (2008), pp. 136-175. Her book, The Copenhagen Bohun Manuscripts: Women, Representation and Reception in Late Fourteenth-Century England, is in press.

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Lena Weileder (Ludwig-Maximilians-Universität München)

„Emblematische“ Notarssignete der frühen Neuzeit

Der Vortrag widmet sich den Beglaubigungszeichen öffentlicher Notare aus Bayern, ihrer Entwicklung und ihren Bildinhalten am Beginn des sogenannten „emblematischen Zeitalters“.

Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts zeichneten die Notare ihre Signete immer häufiger nicht mehr freihändig auf die Urkunde, sondern benutzten Stempel. Damit werden die Gestaltungsmöglichkeiten vom zeichnerischen Talent des Notars unabhängig, die Signete werden aufwändiger und ein Wandel von Aufbau und Motiven ist zu beobachten. Kunstvolle gegenständliche Zeichen nehmen zu, während rein Ornamentales immer seltener wird. Zugleich werden die gegenständlichen Bildelemente häufig allegorisch aufgeladen und ein kurzer Sinnspruch, die sogenannte Devise, hinzugefügt. Die Notarssignete ähneln in dieser Zusammensetzung aus Wort und Bild den Emblemen, Impresen und Druckersigneten. Aber auch inhaltliche Überschneidungen sind festzustellen: Anhand einiger Beispiele lässt sich belegen, dass bayerische Notare Motive und deren allegorische Bedeutungen aus Emblembüchern oder Impresensammlungen in ihre Beglaubigungszeichen übernahmen. Dabei lassen Bilder und Devisen häufig Bezüge zur rechtlichen, sichernden Funktion des Notarssignets erkennen.

Magdalena Weileder M. A., Studium der Kunstgeschichte, Historische Grundwissenschaften und Ethnologie. Seit 2011 Promotion in den Historische Grundwissenschaften über spätmittelalterliche
Notars­urkunden (betreut durch Prof. Dr. Irmgard Fees). 2011–2014 Wissenschaftliche Angestellte in Projekten der LMU München sowie der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns. Seit 2015 Mitarbeiterin der Regesta Imperii, Abteilung Ludwig der Bayer (Arbeitsstelle LMU München).

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Susanne Wittekind (Universität zu Köln)

Visuelle Strategien von Authentizität in mittelalterlichen Urkundenabschriften

Während seit dem 14.Jh. illuminierte Urkunden im Umfeld der königlichen Kanzleien Frankreichs und Englands geläufig werden (Guyotjeannin 2005), sind ältere illuminierte Urkunden Spaniens der Forschung bisher kaum bekannt. Der Vortrag möchte zwei Beispiele vorstellen:

1. eine Urkunde, die König Sancho IV. Garcés von Pamploma-Navarra für die neu gegründete Kirche seiner Residenzstadt Najera, Santa María la Real, 1056 ausstellte (Madrid, Real Academia de la Historia) – diese weist für Urkunden ungewöhnliche Elemente auf; zu diesen gehören für Buchgestaltung typische Elemente: eine vegetabile Initiale, farbige Markierungen von Satzanfängen, ornamentale Rahmenleisten, sowie figürlicher Schmuck, d.h. an den oberen Ecken die Darstellung Mariens gegenüber dem Verkündigungsengel (mit Schriftbändern) als Hinweis auf das Patrozinium der Kirche, die mittig am unteren Rand flankiert von dem königlichen Stifterpaar dargestellt wird.

2. eine Urkunde aus den Beständen des Klosters Sahagún (Madrid, Archivo Historico Nacional, Clero secular-regular, carp. 879, N.20), die eine Schenkung an das Kloster San Salvador in Villacete 1042 zum Gegenstand hat – hier wird in gerahmten Bildfeldern am unteren Rand der Salvator als Patron der Kirche gezeigt, verehrt von dem Stifterpaar, neben diesen Abt Pelagius, der durch eine Beischrift als Restaurator des Klosters bezeichnet wird.

Die Umstände der Entstehung beider Urkunden werden einerseits vor dem zeitgenössischen Hintergrund erörtert; andererseits werden sie mit Blick auf zeitgenössische Buchkunst diskutiert, insbesondere im Vergleich mit spanischen Kartularen des 12.Jahrhunderts. Zu fragen ist, ob diese Urkunden Originale oder eher Abschriften darstellen, die durch „buchtypische“ Elemente auf ihren kopialen Charakter hinweisen, diesen Authentizitätsmangel jedoch durch die bildliche Vergegenwärtigung des Schenkungsaktes kompensieren. Im Hintergrund stehen Überlegungen zur künstlerischen Konstruktion von Authentizität bzw. Wahrhaftigkeit.

Susanne Wittekind, Studium der Kunstgeschichte, Mittleren und Neueren Geschichte in Tübingen und München, Promotion 1994, Habilitation 1999, seit 2002 Professorin für Kunstgeschichte an der Universität zu Köln; im Sommersemester 2012 Fellow des internationalen Kollegs Morphomata/Köln; im Sommersemester 2015 Visiting Professor am Centre for Medieval Studies/University of York. Forschungsschwerpunkte: mittelalterliche Buchkunst (insbesondere Rechtshandschriften), Kunst und Liturgie im Mittelalter.

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Bernhard Zeller (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien)

Die Subskriptionszeichen der St. Galler Privaturkunden des frühen Mittelalters

Bis zum heutigen Tag werden im Stiftsarchiv St. Gallen über 700 frühmittelalterliche Privat
urkunden aus der Zeit vor dem Jahr 1000 aufbewahrt. Es handelt sich dabei um einen außergewöhnlichen Bestand von Originaldokumenten. Im Mittelpunkt des Beitrags steht das verbreitetste graphische Symbol in diesen Urkunden: das Subskriptionszeichen. Betrachtet werden seine unterschiedlichen Ausformungen, und zwar sowohl bei den klösterlichen (St. Galler) als auch den nichtklösterlichen Schreibern. In Hinblick auf die klösterliche Schreibstube soll zudem die Entwicklung dieses Zeichens vom 8. bis zum 10. Jahrhundert skizziert werden.

Bernhard Zeller, 1995–1999 Studium der Geschichte und Deutschen Philologie an der Universität Wien, 1998–2001: 62. Ausbildungslehrgang am Institut für Österreichische Geschichtsforschung, 1999–2003: Doktoratsstudium an der Universität Wien, seit 2004 Mitarbeiter am Institut für Mittelalterforschung der ÖAW, 2007–2008: Rom-Stipendiat am Österreichischen Historischen Institut in Rom, seit 2010: Lektor an der Universität Wien, 2014–2015: Schrödinger-Stipendiat und Visiting Scholar an der Faculty of History der University of Cambridge und am Sidney-Sussex-College. – Forschungsschwerpunkte: Gemeinsam mit Peter Erhart und Karl Heidecker Herausgeber der St. Galler Urkunden des 9. Jahrhunderts im Rahmen der Chartae Latinae Antiquiores (seit 2006: 10 Bände), „Diplomatische Studien zu den St. Galler Privaturkunden des frühen Mittelalters“ (Monographie in Arbeit), Diplomatik und Schriftlichkeit, lokale Gesellschaften und lokale Identitäten im frühen Mittelalter.

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